28.02.2019

Distelrath fordert mehr Vertrauen fürs Ehrenamt

Autor / Quelle: Manfred Finger / nfv.de

Günter Distelrath fordert mehr Vertrauen für die ehrenamtliche Tätigkeit in den deutschen Fußballvereinen: „Wir brauchen eine Stärkung der Vertrauenskultur. Die Nachweispflicht bei so mancher ehrenamtlicher Tätigkeit erscheint mir mitunter größer als wenn man eine Steuererklärung abzugeben hat. Das kann es nicht sein“, erklärte der NFV-Präsident auf dem Krombacher Jahresempfang.

Während seiner Begrüßungsrede betonte er des Weiteren, dass das Publikum zunehmend distanzierter und sensibler auf Auswüchse des Profigeschäfts reagiere. „Es stößt auf, wenn ein Frank Ribery, der für viele Kinder als Vorbild fungiert, bei Instagram zelebriert, wie er ein Gold-Steak serviert bekommt und anschließend auf die berechtigte Kritik mit Beleidigungen der untersten Schublade reagiert. Es stößt auf, wenn Transfersummen wie bei Neymar in Höhe von 222 Millionen Euro gezahlt werden und in elitärer Runde über die Einführung einer europäischen Super League gesprochen wird, die nach amerikanischen Vorbild ohne Auf- und Abstieg ein Closed Shop sein soll.“

Vor dem Hintergrund eines immer kommerzieller werdenden Sports würde sich so mancher an der Basis fragen: „Ist das noch mein Fußball?“ Zwar sei es erfreulich, dass die Deutsche Fußball Liga (DFL) in der Saison 2017/18 einen Erlös von 4,42 Milliarden Euro erzielt hat und damit den 14. Umsatzrekord in Folge vermelden konnte. Auf der anderen Seite würde der Präsident eines Amateurvereins sich aber schon fragen, was er davon habe. „Seine Gedanken drehen sich vielmehr darum, ob es für die Jugendmannschaften in seinem Verein genügend qualifizierte Trainer gibt, ob es genügend bespielbare Plätze gibt und ob sich überhaupt Menschen finden lassen, die in seinem Verein mitmachen. Sprich, seine Gedanken drehen sich darum, ob und wie sein Verein funktionieren kann.“

Funktionierende Vereine an der Basis seien für die Zukunftsfähigkeit des deutschen Fußballs elementar: „Der Fußball in unserem Lande, das sind weniger die 18 Spiele, die am Wochenende in der 1. und 2. Bundesliga stattfinden. Der Fußball in unserem Lande sind vielmehr die 80.000 Spiele, die unterhalb der DFL-Ebene stattfinden, davon 95 Prozent auf der Kreisebene.“

Als große Herausforderungen für den Vereinsfußball bezeichnete er unter anderem eine bessere Infrastruktur für die Vereine und die Sicherung und Qualität des ehrenamtlichen Nachwuchses. Hierzu seien auf dem 3. Amateurfußballkongress in Kassel wertvolle Handlungsempfehlungen auf den Weg gebracht worden, an dessen Umsetzung es jetzt im Zusammenspiel mit den örtliche Kommunen, den Ländern und dem Band zu arbeiten gelte. Distelrath: „Konzepte sind gut und wichtig, entscheidend ist aber die Umsetzung.“ Für die Sicherung des ehrenamtlichen Engagements sei eine Verbesserung der gesetzlichen Rahmenbedingungen, zum Beispiel beim Steuerrecht, Haftungsrecht und Datenschutz, unerlässlich.

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Seite zuletzt aktualisiert am: 19.05.2019

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