23.01.2019

NFV-Präsident Distelrath bezieht Stellung zum Thema eFootball

Autor / Quelle: Dominic Rahe / nfv.de

Der Auftakt in die digitale Fußballwelt ist geglückt. „Der 1. NFV-eSoccer-Cup am 12. Januar“, sagt Präsident Günter Distelrath, „war genau das, was wir uns im Vorfeld erhofft hatten: Ein gelungener Start in den Fußball an der Konsole, der Lust auf mehr macht und Anklang bei Vereinen, Kreisen und in der Öffentlichkeit findet.“

Für den Niedersächsischen Fußballverband (NFV) geht’s nun darum, das Thema (ab sofort unter eFootball) inhaltlich und konzeptionell in den nächsten Monaten in die richtigen Bahnen zu lenken – und dabei seine 2.661 Vereine und 33 Kreise mitzunehmen. Wie das gelingen soll, was der Verband plant und wo die Reise im eFootball grundsätzlich hingehen kann, das verrät NFV-Präsident Distelrath im Interview.

Herr Distelrath, das erste eFootball-Turnier liegt hinter uns. Richten wir den Blick nach vorne: Wie geht’s nun weiter bei diesem Thema?
Ganz konkret produzieren wir aktuell einen Leitfaden für unsere Vereine zum Umgang mit dem Thema eFootball. Er soll gewissermaßen eine Kurzerklärung und -anleitung zum digitalen Fußball liefern – mit allem, was dabei nach unserem Dafürhalten aus Vereinssicht beachtet werden sollte. Für den einen oder anderen mag sich das womöglich nach einer schnellen Angelegenheit anhören, dem ist aber nicht so. Bei diesem Thema steckt der Teufel im Detail. Und gerade jetzt, in der Frühphase dieses Themas, geht Richtigkeit und Weitsicht vor Schnelligkeit. Ich gehe aber davon aus, dass wir den Leitfaden noch im Februar veröffentlichen können.

Wie wird der Leitfaden die Vereine erreichen?
Alle Vereine erhalten den Leitfaden in mehrfacher Ausführung auf dem Postweg in die Geschäftsstelle. Zusätzlich stellen wir das Dokument online zum kostenlosen Download bereit.

Wie sehen die weiteren Schritte aus?
Perspektivisch geht es uns darum – an der Seite des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) – ein nachhaltiges Angebot im Sinne der Vereine zu entwickeln. Wir müssen es schaffen, unter dem Dach des Verbandes einen geregelten Spielbetrieb für eFootball auf die Beine zu stellen – und zwar ab der Kreisebene. Es braucht Angebote in Form von sportlichen Wettbewerben für die Vereine und ihre Spieler. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die angestrebte Vernetzung mit FUSSBALL.DE, wie wir sie jetzt schon bei unserem Turnier demonstriert haben. Nur wenn die Ergebnisse sichtbar für die breite Allgemeinheit sind und nicht bloß in Online-Ligen für die Zielgruppe selbst eine Wertigkeit haben, ist es für die Spieler interessant. Sie erfahren dadurch eine Wertschätzung, die sie bisher nicht haben. Wenn wir ihnen diese über unsere Strukturen und im Vereinsleben bieten, kann das Thema für den Fußball zur Erfolgsgeschichte werden.

Warum engagiert sich der NFV überhaupt im eFootball?
Das hat vor allem einen Grund: Das Interesse nach entsprechenden Angeboten ist extrem hoch. Die Resonanz für unser Turnier in Barsinghausen hat diesen Eindruck nur bestätigt. Binnen vier Wochen haben sich fast 200 Vereine angemeldet – und das nicht bloß mit einer kurzen E-Mail von der Privatadresse, sondern ganz offiziell mit ausgefülltem Meldebogen über das DFBnet-Postfach. Zudem muss man sehen, dass der Fußball an der Konsole längst zum Alltag junger Menschen gehört. Es ist gewissermaßen normal, vor und nach dem Training im Verein noch an der Konsole zu „zocken“. eFootball ist nicht bloß ein Trend, sondern längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Dem sollten wir uns als Verband nicht verschließen.

Dazu gibt es durchaus auch kritische Meinungen, nach dem Motto: Ist das wirklich Sport? Und: Muss der Verband da unbedingt mitmachen?
Natürlich kann man eFootball kritisch betrachten. Auch die Frage, ob das tatsächlich Sport im klassischen Sinne ist, ist legitim. Aber inwiefern unterscheiden wir dann zu Darts oder Schach? Auch beim eFootball sind verschiedene motorische und geistige Fähigkeiten wichtig. Es braucht eine gute Hand-Augen-Koordination, Reaktionsgeschwindigkeit und Durchhaltevermögen. Auch räumliches Orientierungsvermögen, Spielübersicht und -verständnis sowie taktische Ausrichtung und vorrausschauendes Denken sind wichtig.

Muss der NFV noch Überzeugungsarbeit leisten?
Es geht nicht um überzeugen, sondern um erklären. Grundsätzlich wird es wichtig sein, dass wir unser Engagement in diesem Bereich erklären. Es steht nämlich in keiner Weise in Konkurrenz zu unserem Kerngeschäft, dem „echten“ Fußball. Der wird immer an erster Stelle stehen, das kann ich versprechen. Vielmehr ist eFootball – wie Futsal und Beachsoccer etwa auch – ein ergänzendes Angebot unter unserem Dach, das unseren Vereinen eine Chance bietet, neue Mitglieder anzusprechen und an sich zu binden; sofern sie denn möchten. Ich bin aber überzeugt, dass eFootball als Ergänzung zum echten Fußball eine Zukunft in den Vereinen haben kann. Er kann Teilhabe ermöglichen und aus Vereinsheimen wieder gesellige Treffpunkte machen. Und noch etwas ist mir in diesem Kontext wichtig...

Bitte.
Wir sollten nicht vergessen, dass die Leute, die wir ansprechen, an der Konsole explizit Fußball-Simulationen wie FIFA19 oder Pro Evolution Soccer spielen – und eben keine Fantasy- oder Shooter-Spiele. Das kann man nicht oft genug betonen. Es ist wichtig, dass wir als Verband deutlich machen, dass wir andere Spiele und Genres, die unter dem allgemeinen Begriff eSports firmieren, kategorisch ablehnen. Wir wollen keine Spiele fördern, in denen Kinder auf andere schießen und das dann als Sport bezeichnet wird. Wenn dagegen fußballbezogene Spiele als Ergänzung zum Sport im Verein wirken, dann findet das unsere vollste Unterstützung.

Für welchen Ansatz hat sich der Verband konkret beim eFootball entschieden?
Die Eintrittskarte in den wie auch immer gelagerten Spielbetrieb kann nur von unseren Vereinen verteilt werden, dabei wird es bleiben. Die Vereine haben die Hoheit, ob sie Spieler anmelden oder nicht. Und wir möchten speziell das Spielen im „2 vs. 2-Modus“ anbieten, um auch hier dem Gedanken von Fußball als Mannschaftssportart Rechnung zu tragen. Es wird – wie auch schon beim NFV-Cup – zudem so sein, dass mindestens ein Spieler jeder Mannschaft angemeldetes Mitglied in der Fußballsparte des Vereins sein muss.

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Seite zuletzt aktualisiert am: 15.02.2019